Hubert Spierling gehört seit der Nachkriegszeit zu den bestimmenden Glasmalern in Deutschland. Er wurde 1925 in Menden-Bösperde/Westfalen geboren und studierte in Hamburg, Dortmund, Düsseldorf und Krefeld. Seit 1954 ist Spierling in Krefeld als freischaffender Künstler tätig. Er arbeitete mit den bedeutendsten Kirchenbaumeistern des 20. Jahrhunderts, u.a. mit Rudolf Schwarz, Hans Schilling, Hans Schwippert und Emil Steffann. 1977 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Menden und 1993 die Johan Thorn-Prikker-Plakette der Stadt Krefeld.
Parallel immer als Maler tätig, schuf Spierling in eindringlicher, kraftvoller Formensprache aus differenzierten Farbflächen und freien Lineaturen abstrakte und figürliche Fenster. Kontrastreiche, oftmals gedämpfte Farben bestimmen die sachlich kühne Atmosphäre der Fenster, für die meist milchig opake Gläser mit der Malerei nahe stehenden Farbverläufen Verwendung finden. Über die Farbwerte stellt Spierling den Bezug zum jeweiligen Kirchenraum her, zu Farbumfeld und Lichtgebung. Sensibel kämpft Spierling um die einzelnen Farbtonwerte, häufig ein Kampf gegen die vordergründige Wirkung von farbigem Glas.
Hubert Spierling begann mit figürlichen Heiligendarstellungen, die er in ein flächig geschichtetes Gefüge setzte und von der dekorativen Rahmung befreite, wie z.B. bei St. Agnes in Hamm 1953/54. Es folgen Kompositionen mit schollenartigen Verbänden, die umrissen werden von einer kräftigen, frei schlenkernden Konturlinie, wie bei St. Joseph in Dortmund 1974-76. Diese Gestaltung bricht die strenge Rasterform der rechteckigen Bleinetzfelder auf und rückt sie optisch in den Hintergrund.
Lineare, malerische und raumbezogene Glasmalerei finden bei Hubert Spierling in reduziertem Formvokabular ein einvernehmliches Wechselspiel.
Das Musterfenster „Mit rotem Keil“ von 1984/85 lebt aus dem Spannungsverhältnis von fahriger Linie und wolkiger Fläche, von kalter und warmer Farbe.
Zu den umfangreichsten Schöpfungen gehören die Fensterzyklen in St. Gertrud von Brabant in Bochum-Wattenscheidt (1945-55, 1982), St. Hubertus in Krefeld (1959-60), Heilig-Kreuz in Menden (1960-77), St. Joseph in Dortmund (1974-76), St. Dionysus in
Krefeld (1981-84, 1993) und St. Marien in Lünen (1988-2000). 2009 realisierte Spierling Fenster für
St. Cyriakus in Krefeld-Hüls; 2010 werden Fenster
für St. Maria Himmelfahrt in Mülheim fertiggestellt.
Das Deutsche Glasmalerei-Museum stellt den Künstler Hubert Spierling mit einer Vielzahl von Werken als Maler und Glasmaler vor. Aus Anlass des 85. Geburtstages des Künstlers und rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung erscheint das folgende Buch:
Hubert Spierling. Malerei und Glasmalerei.
Holger Brülls, Dorothee Mann, Anna Ulrich (Hg.) (Verlag Schöning, Paderborn, 2010); herausgegeben im Auftrag des Christlichen Bildungswerkes "Die Hegge" in Zusammenarbeit mit "Kunst und Krefeld" e.V.
Myriam Wierschowski
Rahmenprogramm: Exkursion
„Auf den Spuren von Hubert Spierling im Jülicher
und Heinsberger Raum"
Exkursion am Freitag, 15. Oktober 2010, 14 Uhr
Für die beiden von Prof. Heinz Döhmen erbauten Kirchen St. Andreas & St. Matthias in Lich-Steinstraß (1986-88) und Maria Lind in Waldfeucht-Braunsrath (1984/85) hat Hubert Spierling sensibel auf die Raumsituation abgestimmte Gesamtverglasungen geschaffen.
Treffpunkt: Wallfahrtskirche „Maria Lind“, Maria Lind 31 in 52525 Waldfeucht-Braunsrath, anschließend fahren wir nach Lich-Steinstraß (mit Privat-PKW)
Leitung: Dr. Myriam Wierschowski
Gebühr: 5 €, Anmeldung Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich,
T. 02462-99170
„Auf den Spuren von Hubert Spierling in Krefeld“
Exkursion am Samstag, 23. Oktober 2010, 8 Uhr
Spierling ist mit der Stadt Krefeld besonders verbunden, absolvierte hier Teile seines Studiums und ist seit 1954 als freischaffender Künstler in der Stadt tätig. Spierling schuf zahlreiche Kirchenfenster für Krefelder Kirchen und bekam 1985 die Ehrenplakette der Stadt verliehen.
Wir wollen uns an diesem Samstag Spierlings Werke in den Kirchen St. Cyriakus (2009), St. Hubertus (1959/60), St. Dionysius (1981-84, 93), im Krefelder Hauptbahnhof (1996) sowie in St. Bonifatius (1973, 1990) ansehen. Die Rückkehr nach Linnich ist gegen 13.30 Uhr geplant.
Treffpunkt und Abfahrt: 8 Uhr am Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich, Fahrt mit Bus
Leitung: Christine Haße M.A.
Kosten: 30 €, Anmeldung Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich,
T. 02462-99170
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