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Glasmalerei vom 15. - 19. Jahrhundert
   
 


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Kreuzigungsfenster des Mortuariums im Eichstätter Dom

Hans Holbein d. Ä. um 1505
Kopie Fritz Geiges, 1889-92

Bleiverglasung, Echtantikglas, Schwarzlotbemalung, Silbergelb
Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich, 1999/49

Zur Präsentation der Werke aus dem 19. Jahrhundert gehören die Glasmalereien des Malers, Glasmalers und Restaurators Fritz Geiges (1853-1935), dessen großes zeichnerisches Talent in eigenen Entwürfen ebenso zur Entfaltung kam wie bei Restaurierungen mittelalterlicher Glasmalereien. Der Kunst dieser Epoche ganz nah, ahmte er ihren Stil in zahlreichen Kopien nach, die zu einer beachtlichen Sammlung historistischer Scheiben führten. 1998 schenkte der Nachlaßverwalter 112 Scheiben dem Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich.
In den Jahren von 1889 bis 1892 restaurierte Fritz Geiges die Originalfenster des spätgotischen Malers Hans Holbein d. Ä. aus dem Kreuzigungsfenster des Mortuariums im Eichstätter Dom. Geiges verwandte, in Anlehnung an den Stil der spätgotischen Meister, Farbgläser von intensiver Leuchtkraft. Das Mortuarium war von 1481-1498 die Grabstätte des Domkapitels.
   
 


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Brustportrait des schwedischen Generals Gustav Horn

Glasgemälde von Hans Jakob I. Nüscheler (1583-1654), Zürich 1633
Farbloser Rundmonolith, auf der Vorderseite mit Schwarzlot lasiert,
gestupft, gewischt und sehr fein radiert, auf der Rückseite mit Silbergelb,
kräftigem blauen und violetten Email bemalt und mit Rotlot schattiert.
Schrift vorderseitig mit Schwarzlot aufgetragen.

Inschrift:
Gustavus Horn, General under ihr Künigklich Maiestet auß Schweden *
Auff Gott Sthet mein Hoffnung ANNO DOMMINI. 1633.

Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich, 1999/77

Die kleine, aber exquisite Rundscheibe zeigt den Grafen Gustav Horn in Dreiviertelansicht. Er wurde 1629 Feldmarschall und kämpfte im Dreißigjährigen Krieg zusammen mit König Gustav Adolf von Schweden in Deutschland. Horn stiftete die Scheibe ein Jahr nach dem schwedischen Sieg bei Lützen (1632), in der Gustav Adolf fiel. Zusammen mit ihrem Pendant im Schweizerischen Landesmuseum Zürich, ebenfalls datiert 1633, dürfte das Porträt in freier Nachahmung eines Kupferstichs - wie etwa von Lucas Kilian - entstanden sein.
Beide Scheiben werden dem Züricher Glasmaler Hans Jakob I. Nüscheler zugeschrieben und sind ein interessantes historisches Dokument. Sie könnten zu einer Folge der "Uomini illustri" gehört haben, wie sie z.B. in den Fenstern eines Züricher Patrizierhauses eingebaut waren.
   
 


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Annenfenster

Hans Holbein d. Ä. um 1515
Kopie Fritz Geiges, 1908
ca. 350 x 230 cm

Bleiverglasung, Echtantikglas, Schwarzlot, Silbergelb
Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich, ST 1998/31-36,41,85-93

Ab 1908 wurde Fritz Geiges mit der Restaurierung zahlreicher Fenster des Freiburger Münsters beauftragt und kopierte bei dieser Gelegenheit u.a. das monumentale Annenfenster aus dem Alexanderchörlein im Nordchor (um 1515), das laut Sockelinschrift von den Bergleuten der Annengrube in Todtnau gestiftet und nach einem Entwurf des bedeutenden Augsburger Malers Hans Holbeins d.Ä. in der Werkstatt Hans von Ropsteins ausgeführt wurde.

Das Fenster zeigt im Zentrum die Gruppe der Anna Selbdritt flankiert von Maria Salomas und Maria Cleophas in einem kleinen „Hortus Conclusus“, einem geschlossenen Gärtlein. Hinter der begrenzenden maßwerkverzierten Mauer erscheinen die dazugehörigen Männer: die Hll. Josef, Joachim, Salomas und Cleophas. Gemeinsam stellt die Gruppe die Hl. Sippe dar, ein im 15. und frühen 16. Jhd. populärer Typus, der die Innigkeit und den generationsübergreifenden familiären Zusammenhalt der Heiligen in den Vordergrund stellt und damit dem Bedürfnis der Gläubigen dieser Epoche nach einer unmittelbareren, intimen Frömmigkeit entgegenkommt.
Eine Besonderheit des Fensters ist abgesehen vom lavendelblauen Damastgrund und der sandsteinfarbigen Sitzbank die weitgehende Verwendung farblosen Glases als Malgrund für fein modulierte Grau-Braunlot-, Silbergelb-, Eisenrot-, und Kupfergrünmalerei: sie verleiht der Komposition einen Grisaillecharakter und eine Lichtheit, die die renaissancehafte Körperlichkeit v.a. der Vordergrundfiguren sehr schön zur Geltung bringt.
   
 


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Vertreibung aus dem Paradies

Fritz Geiges, 1918
Mitte und unten: 61 x 85 cm, oben: 54,7 x 85 cm

Bleiverglasung, Echtantikglas, Schwarzlot
Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich, ST 1998/19-21

Ein besonderes Kapitel im Schaffen von Fritz Geiges stellt die Förderung durch Kaiser Wilhelm II. und seine daraus resultierenden Arbeiten für das deutsche Kaiserhaus dar. In neogotischem Gewand, in das sich jedoch auch romanische, byzantinische und sogar antike Stilelemente mischen, präsentierte Geiges einen „völkisch-nationalen Stil“, der den Anforderungen einer herrschaftlichen Ikonographie entsprach und dem Kaiserhaus in höchstem Maße zusagte. Daraus resultierten für Geiges allein für die Zeit zwischen 1895 und 1915 kaiserliche Aufträge für die Gestaltung von acht Kirchenbauten, die Verleihung des Professorentitels (1897) und darüber hinaus zahlreiche Ordensauszeichnungen.

Die Belobigungen des Kaisers, nach dessen fester Überzeugung es „..das Studium der Meister der Vergangenheit“ war, „das... vor allem dazu befähigt, tiefer in die Probleme der Kunst einzuführen...“ (1904), verpflichteten Geiges als seinem Protegé zu einem rückwärtsgewandten Stil, der es ihm unmöglich machte, sich unbefangen den nonkonformen künstlerischen Entwicklungen des 20. Jhds zu nähern.

Dennoch zeichnet sich im Werk von Fritz Geiges nach der Jahrhundertwende ein Stilwandel ab. Im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich befinden sich einige Scheiben aus der Zeit um 1918, die vermutlich für Breslau erstellt wurden. In der Vertreibung aus dem Paradies und der Taufe Christi zeigt sich eine Expressivität, in der sich auf eigentümliche Weise jugendstilhafte Elemente mit Einflüssen, die er auf seinen Englandreisen kennen gelernt haben wird, mischen. Vor allem die dekorative Flächenhaftigkeit der gelängten, unkörperlichen Figuren bei gleichzeitiger Betonung der hervorgehobenen Kontur erinnert an den Symbolismus eines Edward Burne-Jones, aber auch an die Bilderwelten Hans von Marées und im Bereich der Glasmalerei an Melchior Lechter.

Auch hinsichtlich des verwendeten Glases unterscheiden sich seine Neuschöpfungen von den vorgestellten Kopien: entgegen der satten Farbigkeit seiner Kopien bevorzugte Geiges in beiden Arbeiten verwaschene, fahle Töne, die in strengem Kontrast zum hart abgrenzenden Schwarzlotauftrag stehen und den Szenen etwas Unwirkliches geben. Die Oberflächen sind schrundig, wobei die Unebenheiten durch einen Schwarzlotbezug noch hervorgehoben werden und das Unfleischliche seiner Gestalten betonen. Der Verzicht auf die Zartheit in der Modellierung und der neogotischen Linienführung, die seiner Frühzeit zu eigen ist, sowie die holzschnittartige Kontur rücken ihn zugleich – möglicherweise auch unbeabsichtigt – näher an die aktuelle Kunstentwicklung in Deutschland heran, die im zweiten Jahrzehnt des 20. Jhds bereits vom Expressionismus dominiert wurde.
   
 


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Maria mit Kind

Künstler unbekannt, Ende 19. Jh.
146 x 43 cm

Bleiverglasung, weißes und farbiges Glas, Silbergelb, Schwarzlotmalerei
Ausführung: Glasmalerei Melchior, Köln
Leihgeber: Privatbesitz

Im Zuge der Mittelalterbegeisterung des 19. Jahrhunderts ließ man gerade in der Glasmalerei des Rheinlandes den weichen Stil der Zeit um 1400 wieder aufleben. Die Madonna mit Kind weist u.a. den dafür charakteristischen S-Schwung auf. Die gotische Ornamentrahmung um die Figur und die für das Rheinland typische Schlichtheit der Architekturrahmung im Gegensatz zur verspielten Variante der süddeutschen Neogotik ist hier auf diesem Glaskunstwerk zu sehen.
   
 


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Bischof Leguntius aus dem Dom von Metz

nach dem Original von Valentin Busch, um 1520,
kopiert von Fritz Geiges in den 1880er Jahren,
restauriert 2001

Bleiverglasung, Echtantikglas, Schwarzlot
Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich, ST1998/131

     
 
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