| Aktuelle Tendenzen in der Glasmalerei | |||
Freier, spielerischer und experimenteller geht die nächste Generation ab Otmar Alt (*1940), Brian Clarke (*1953), Raphael Seitz (*1957) und Bernhard Huber (*1964) zu Werke, welche die Fusingtechniken ausbaut, wieder zu großflächigen Malereien auf Glas neigt und mit verbesserten Klebetechniken arbeitet. Neben geschichtete Glaskonstruktionen treten freistehende Stelen mit Sandwichtechniken zwischen Sicherheitsgläsern. Mit dem Schwinden kirchlicher Aufträge verstärkt sich das autonome Glasbild und das „Künstlerfenster“ als Möglichkeit einer künstlerischen Bereicherung der Glasfenster und ihrer besonderen architektonisch und statisch funktional gebundenen Materialität.
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Thierry Boissel Chemins, 1997 Fusing, geschmolzenes Glas auf Trägerglas, 92 x 122 cm Ausführung: Atelier des Künstlers Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich Inventarnr.: ST1999/10 Thierry Boissel, ehemals Schüler von Ludwig Schaffrath und seit 1991 Leiter der Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik an der Akademie der Bildenden Künste in München, arbeitet in der Schmelztechnik (Fusing). Hierin sieht er die beste Möglichkeit, seinen künstlerischen Bestrebungen entsprechende Gestaltungslösungen zu finden. Seine Werke "Chemins" und "Monotones" von 1997, zeigen die Wirkung von geschmolzenen Farben auf weißem Trägerglas: Gelb, Rot, Blau und Grün in präzise ausbalancierter Komposition sind in kaltem Zustand auf den hellen Hintergrund, das Trägerglas, aufgebracht. Beim Erhitzen auf 840° Celsius verbinden sich die eingebrachten farbigen Glasstücke nicht mit dem heißen Glasfluss, sie zeichnen sich konkret voneinander ab. Das Verschmelzen der Farben auf der weißen Trägerplatte verändert den Charakter des Glases und erzeugt Lichtreliefs, die sich je nach Farbe und Struktur in die Tiefe ausdehnen und den Raum körperhaft in tiefer Dichte abschließen. Weitere Informationen zu den Arbeiten von Thierry Boissel finden Sie auf der Website des Künstlers www.tboissel.de. |
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Justyna Bonikowska 10. Kreuzwegstation: Jesus wird seiner Kleider beraubt, 2000 Fusing, geschmolzenes Glas auf Trägerglas, 150,5 x 40,8 cm Ausführung: Glasgestaltung Detlef Tanz Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich Inventarnr.: ST2000/149 In Pierkary Slaskie, einem traditionellen polnischen Pilgerort, entstand ein großer moderne Kirchenkomplex. Aufgabe der Architekten Piotr Sredniawa und Beata Goczol war, einen Ort für "jeden Tag" zu konzipieren. Die Künstlerin Justyna Bonikowska schuf die Glasmalerei. Das Licht als Symbol des Universums steht im Mittelpunkt des Sakralraumes. Es sollte zurückhaltend von außen wie von innen dynamisch variierbar eingesetzt werden. Für die Gestaltung des Kreuzganges sowie der "Heiligen Familie" war es Justyna Bonikowska wichtig, mit den Gläsern eine besondere Intensität, eine besondere Tiefe zu erreichen. Bei der Umsetzung ihrer künstlerischen Ideen arbeitete sie selbst monatelang im Glasstudio, zusammen mit den Glasspezialisten vor Ort, um die für den Entwurf optimale Qualität zu erreichen. Dabei wurde das Fusing-Glas ARTISTA® verwendet, das eine herausragende Farbbrillianz garantiert. Wie sehr dies gelungen ist, beweist das Einzelstück, das im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich zu bewundern ist. Die Arbeit "Jesus wird seiner Kleider beraubt" stammt aus dem vierzehnteiligen Zyklus für die Kirche in Piekary Slaskie (Polen). Um einen bildnerischen Zusammenhang zu schaffen, verbindet die Künstlerin die einzelnen Werke durch ein fortlaufendes Band, das sich in einem dynamischen Bogen durch jedes Bild zieht. |
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Reiner John ohne Titel, 2003 Siebdruck auf Floatglas, Schmelzfarben auf Floatglas 2 Scheiben von Schrauben zusammengehalten, 100 x 100 x 1 cm Ausführung: Franz Mayer'sche Hofkunstanstalt GmbH, München Schenkung des Künstlers Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich Inventarnr.: ST2003/331 Im Jahr 2003 erhielt das Museum diese Scheibe anlässlich der Ausstellung „Internationale Glasmalerei der Gegenwart im Wandel“. Die Schenkung von Reiner John ergänzt mit anderen neu hinzugekommenen Arbeiten den Bestand an zeitgenössischen Werken des Museums. www.johnworks.de |
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Nabo Gaß Eggesin, 1999 unterschiedlich sandgestrahlte Trägerglasscheiben, innenliegend Glasmehlmalerei mit Spezialglas verschmolzen, 200 x 200 cm Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich Inventarnr.: ST2000/64 Das Bild "Eggesin" entstand aus dem Spiel der mathematischen Sprache des Computers und der Formensprache des Künstlers. Gaß gab seine Formideen in den Computer ein. Dieser übersetzt die Komposition in die ihm mögliche Formensprache. Der Künstler arbeitet mit diesem Ergebnis weiter, verändert, fügt hinzu. Gaß benutzt den Computer, um die Beschränktheit des Instruments der unvergleichlichen Originalität des Künstlers gegenüberzustellen. Auch im Bild "Eggesin" geht es wieder um gleichförmige Masse, repräsentiert durch das vom Computer erstellte - letzten Endes sandgestrahlte - Hintergrundmuster, und um die Unverwechselbarkeit der unregelmäßigen Formen des Künstlers. Diese Formen konzentrieren sich - wie in vielen Werken von Gaß - im Zentrum des Bildes. Das in Rot und Schwarz diagonal ins Bild ragende Bein eines Rechtsradikalen zertritt eine zerquetscht anmutende Form, den Kopf des Opfers. Eine sandgestrahlte Spirale bildet wie eine Zielscheibe den Hintergrund, der durch ein weiteres Muster in zwei Abschnitte geteilt wird. Es ist das Muster von Metallrampen, von Trittplatten. Die Glasbilder und Kunst-am-Bau-Objekte sind auch auf der eigenen Internetseite von Nabo Gaß zu sehen. |
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Alexander Beleschenko Probescheiben Canary Wharf Corridor, 2002 Verbundglas mit Glaseinlagen und Schmelzfarbe, 320 x 200 cm Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich Inventarnr.: ST2002/305 Das Werk zeigt acht Probescheiben aus der dreiseitigen Wandgestaltung im Untergeschoss des Citygroup Towers von Canary Wharf/London. Beleschenko benutzt in der Entwurfsphase den Computer mit dessen vielfältigen Möglichkeiten der Codierung von Schriften, der Verschlüsselung des Inhalts, der Verzerrung von Formen und der beliebigen Verkleinerung und Vergrößerung von Motiven aller Art. Die Form suggeriert leichte Bewegung, einen Windhauch, der das Auge des Betrachters wie in Zeitlupe sanft über das Werk gleiten läßt, das an die Farben und Formen der Natur, der Küste von Wales, erinnert, die sich in den Wasserlachen am Strand spiegelt. Man findet die zarten Farben des Himmels wieder und den Wechsel von tiefem Meeresgrün und -blau. |
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Darko Lesjak Die erfahrene Struktur, 1999 Schmelzfarbe auf Floatglas, 218 x 98 cm Ausführung: Bayerische Hofglasmalerei Gustav van Treeck, München Dauerleihgabe, Eigentum der Werkstatt und des Künstlers Aus geheimnisvollem Dunkelgrün tritt in kräftigen, breiten Pinselspuren dynamische Malerei hervor. In Gelb-, Rot- und Orangetönen zeigt sich die Spur eines Malgestus, der schnell und kraftvoll, dabei durchaus kontrolliert eine spannungsreiche Komposition schuf. Zartes Blau leitet zu Grün über. Ein starker Hell-Dunkelkontrast - vom Durchlicht gesteigert - gibt der Malerei plastische Wirkung. |
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Giuliano Giuman Terza Maggiore, 2001 Floatglas, Schmelzfarbe, 270 x 180 cm Ausführung: Atelier des Künstlers Leihgabe, Eigentum des Künstlers Giuman, einer der führenden Glaskünstler Italiens, sieht seine Werke als "relationships between sound and Image, acoustics and light, vibrations and signs". Die Thematik erinnert sicherlich an den italienischen Futurismus und an die Ideen des expressionistischen Almanach eines Kandinsky und Marc. Schließlich gibt es Reminiszenzen an den abstrakten Expressionismus Amerikas. Giumans Malerei mit Glas und Licht als Element mitten im Raum ist eine Weiterentwicklung all dessen. Es ist dynamische Aktionsmalerei kombiniert mit geometrischen Flächen in starker Farbigkeit - als Glaswand, Objekt, Tür, Tisch, Raumdecke und Fenster. Die Grenzen zwischen freier und architekturgebundener Kunst werden hier gänzlich aufgehoben. www.giuman.it. |
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Bernhard Huber Stelen, 1997 Verbundsicherheitsglas, Schmelzfarben, je 300 x 40 cm Ausführung: Bernhard Huber Dauerleihgabe, Eigentum des Künstlers Bernhard Hubers vierteiliges Werk "Stelen" fordert den Betrachter auf, sich zwischen den Objekten zu bewegen und so Glaskunst im Raum zu erleben. Die Anordnung ist variabel. Das Wechselspiel mit der jeweiligen räumlichen Gegebenheit setzt einen ästhetischen Prozess in Gang. Die Linienführung ist schwungvoll und wirkt spontan. Sie steht der Geometrie gegenüber. Durch die zusätzliche Transparenz erscheinen seine Werke frei, bewegt und belebt. Sie korrespondieren mit der Architektur, abstrakte Malerei und Umgebung verschmelzen. Malerei I und II, 2006 Edelstahl/Silikon, Schmelzfarbe/Glas, je 310 x 166 cm Ausführung: Bernhard Huber Dauerleihgabe, Eigentum des Künstlers |
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© Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich 2012 |
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